Überraschender Effekt: Opioide gelten eigentlich als potente Schmerzmittel. Doch jetzt belegt eine Studie, dass diese Mittel Nervenschmerzen sogar verlängern und chronisch machen können – und das schon nach kurzer Einnahme. Der Grund: Die Opioide machen Zellen im Rückenmark überaktiv und sorgen so für übersteigerte Schmerzsignale ans Gehirn, wie Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Science“ berichten.
Ob am Ischiasnerv, an den Gliedmaßen oder anderswo: Chronische Nervenschmerzen sind besonders hartnäckig und lassen sich schwer behandeln. Einer der Gründe dafür ist das Schmerzgedächtnis: Die anfänglichen Schmerzreize verändern die Aktivität von Zellen im Rückenmark und Gehirn und machen sie überempfindlich für Reize. Als Folge tut es selbst dann noch weh, wenn der eigentliche Grund längst ausgeheilt ist.
Bisher werden schwere neuropathische Schmerzen oft mit Opioiden behandelt, weil nur sie deren Intensität zu lindern vermögen – und auch in der Hoffnung, so der Bildung eines Schmerzgedächtnisses vorbeugen zu können. Eine Studie mit Ratten weckte 2012 sogar die Hoffnung, das Schmerzgedächtnis durch eine sehr hohe Dosis eines Opioids wieder löschen zu können.
Morphin gegen Ischiasschmerzen
Doch Peter Grace von der University of Colorado in Boulder und seine Kollegen haben nun eine bisher unbekannte, geradezu paradoxe Nachwirkung von Opioiden bei solchen Schmerzen entdeckt: Sie fördern das Schmerzgedächtnis statt es zu verhindern. Für ihre Studie untersuchten die Forscher, wie das Opioid Morphin den Verlauf neuropathischer Schmerzen bei Ratten beeinflusst. Dafür reizten sie in einem Eingriff unter Narkose den Ischiasnerv der Tiere durch Einengung und lösten so Nervenschmerzen aus.