Screening für Zuhause: Prostatakrebs könnte sich künftig mithilfe eines einfachen Urintests erkennen lassen. Anders als bisher üblich können Männer die Proben dafür in ihren eigenen vier Wände nehmen, wie eine Pilotstudie nahelegt. Demnach enthält der erste Morgenurin genügend Biomarker für die Früherkennung – eine vorherige Stimulation der Prostata durch Abtasten ist nicht mehr nötig. Zudem kann der Test aggressive von langsam wachsenden Tumorformen unterscheiden.
Prostatakrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen älterer Männer. „Er entwickelt sich meist langsam und ein Großteil der Patienten müsste wahrscheinlich nie behandelt werden“, erklärt Jeremy Clark von der University of East Anglia in Norwich. Weil es jedoch auch äußerst aggressive Formen dieses Tumorleidens gibt, sind die rechtzeitige Diagnose und eine möglichst genaue Vorhersage des Krankheitsverlaufs von entscheidender Bedeutung.
Bisher versuchen Mediziner möglichen Entartungen der Vorsteherdrüse durch Tastuntersuchungen und den nicht unumstrittenen PSA-Test auf die Spur zu kommen. Entsteht dabei ein Krebsverdacht, folgen meist eine Biopsie oder eine MRT-Untersuchung. Vor allem das Abtasten der Prostata wird von vielen Männern jedoch als unangenehm empfunden.
Urintest als Alternative
Eine mögliche Alternative zu dieser unbeliebten Untersuchung könnten Urintests sein. Dabei dienen bestimmte RNA-Moleküle als Biomarker, die in Krebszellen der Prostata gehäuft vorkommen. „Diese Tests untersuchen die Genexpression und können Informationen darüber liefern, ob der Krebs aggressiv oder eher harmlos ist“, sagt Clark. Bislang ging jedoch auch solchen Urintests ein rektales Abtasten durch den Arzt voraus – dies galt als nötig, um die Prostatasekretion anzuregen und so die Menge der Biomarker im Urin zu erhöhen.