Verborgene Gefahr? Forscher haben im Hausstaub von Gebäuden 183 verschiedene Resistenzgene nachgewiesen – DNA-Sequenzen, die Bakterien immun gegen Antibiotika machen können. Die meisten der in den Staubmikroben gefundenen Gene verleihen Resistenzen gegen gleich mehrere Antibiotika-Klassen. Zudem liegen 57 von ihnen in mobilen Abschnitten der DNA und können daher leicht zwischen verschiedenen Mikrobenarten ausgetauscht werden, wie die Wissenschaftler im Fachjournal „PloS Pathogens“ berichten.
Weltweit breiten sich resistente Bakterien aus. Diese Mikroben sind gegen eines oder mehrere gängige Antibiotika immun, weil ihr Zellstoffwechsel die Angriffsmechanismen der Medikamente unterläuft. Verantwortlich dafür sind Resistenzgene, die frei zwischen verschiedenen Bakterienarten ausgetauscht werden. Diese Gene und ihre Träger finden sich inzwischen fast überall – in der Arktis, in Seen und Sedimenten, in Nutztieren und sogar in der Stadtluft oder in unserem eigenen Darm.

183 verschiedene Resistenzgene
Ob auch im Hausstaub unserer Wohnungen, Büros oder Sportstätten resistente Gene und ihre Träger vorkommen, haben nun Sarah Ben Maamar von der Northwestern University in Evanston und ihre Kollegen untersucht. Für ihre Studie nahmen sie Staubproben in 43 verschiedenen Gebäuden und unterzogen diese einer umfangreichen Genanalyse. Zusätzlich kultivierten sie den Hausstaub auf Nährmedien, um zu sehen, welche Resistenzgene mobil und damit zwischen Mikroben austauschbar waren.
Das Ergebnis: Insgesamt enthielten die Staubproben 183 verschiedene Resistenzgene – einige von diesen fanden sich in fast allen Proben, wie die Forscher berichten. Die identifizierten Gensequenzen können Bakterien gegen 15 verschiedene Antibiotika-Klassen immunisieren, darunter Penicilline, Tetracycline, Cephalosporine, Aminoglycoside und andere. „Dieses Ergebnis bedeutet nicht per se, dass die Antibiotikaresistenzen schlimmer werden, aber es ist ein weiterer Risikofaktor, auf den wir achten müssen“, sagt Maamars Kollegin Erica Hartmann.