Turbo fürs Gedächtnis: Das in vielen Nahrungsmitteln enthaltene Spermidin stärkt das alternde Gehirn und kann dem geistigen Abbau entgegenwirken, wie nun Versuche mit Mäusen und Menschen nahelegen. Bei Ernährung mit spermidinreicher Kost besserten sich Gedächtnis und Lernen und die kognitiven Leistungen nahmen weniger stark ab. Erreicht wird diese Wirkung offenbar durch eine positive Wirkung des Spermidins auf die Mitochondrien und zelluläre Entsorgungsprozesse.
Der Naturstoff Spermidin ist in Weizenkeimen, Nüssen, Pilzen und vielen anderen Lebensmitteln enthalten und wird schon länger wegen seiner gesundheitsfördernden Wirkung erforscht. Schon vor einigen Jahren legten Tierversuche nahe, dass eine spermidinreiche Kost das Leben von Fadenwürmern und Fliegen verlängern kann und die Hirnleistung positiv beeinflusst. Eine erste Pilotstudie im Jahr 2017 lieferte auch beim Menschen erste Hinweise auf positive Effekte auf die Gedächtnisleistungen.
Gedächtnis von Mäusen gestärkt
Ob das Spermidin auch dem geistigen Abbau im Alter entgegenwirken kann, haben nun Sabrina Schroeder von der Universität Graz und ihre Kollegen bei Mäuse und Menschen untersucht. Im ersten Experiment reicherten sie das Futter von älteren Mäusen ein halbes Jahr lang mit Spermidin an. Vorher und nachher untersuchten sie Lernverhalten und Gedächtnis der Tiere in mehreren standardisierten Tests.
Das Ergebnis: „Es konnte gezeigt werden, dass oral verabreichtes Spermidin das Gehirn von Mäusen erreicht und dass diese im Alter in verschiedenen Gedächtnistests besser abschneiden als Mäuse, die keine Extraportion Spermidin bekamen“, berichtet Schroeders Kollege Andreas Zimmermann. Der Naturstoff wirkt bei den Tieren offenbar dem sonst typischen geistigen Abbau entgegen.