Beunruhigender Präzedenzfall: Zum ersten Mal hat sich ein Mensch in Deutschland durch einen Zeckenbiss mit Fleckfieber angesteckt. Überträger war eine mit den Fleckfieber-Erregern infizierte Hyalomma-Zecke – eine ursprünglich nur in wärmeren Ländern heimische Zeckenart. Inzwischen jedoch nimmt ihre Zahl hierzulande zu und rund die Hälfte dieser Tiere trägt den Fleckfieber-Erreger in sich, wie Forscher berichten.
Dank der Klimaerwärmung breiten sich bei uns immer mehr Mücken- und Zeckenarten aus, die ursprünglich nur in tropischen Gefilden heimisch waren. Zu ihnen gehören neben der Tigermücke und der Buschmücke auch die Braune Hundezecke und die Hyalomma-Zecke. Letztere überwintert sogar schon in Deutschland. Das Problem: Viele dieser Neuankömmlinge können Erreger von Tropenkrankheiten übertragen. Bereits 2018 war erstmals in Deutschland eine Hyalomma-Zecke mit Fleckfieber-Erregern nachgewiesen worden.
Einen Pferdebesitzer traf es als ersten
Jetzt gibt es den ersten Fall einer Übertragung der Fleckfieber-Erreger von der Hyalomma-Zecke auf den Menschen. „Damit wissen wir jetzt nicht nur sicher, dass die Hyalomma-Zecke auch an Menschen geht“, sagt Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim. „Es besteht leider auch der dringende Verdacht, dass hier in Deutschland eine Übertragung des Zeckenfleckfiebers durch die Tiere tatsächlich möglich ist.“
Im vorliegenden Fall war ein Pferdebesitzer im Juli 2019 von einer Hyalomma-Zecke gebissen worden. Die exotische Übeltäterin schickte er daraufhin an die Parasitologen in Hohenheim. Wenige Tage später jedoch bekam er Fieber, Schmerzen und Hautausschläge – Verdacht auf Zecken-Fleckfieber. Nachdem in der eingesandten Zecke tatsächlich der Erreger Rickettsia aeschlimannii nachgewiesen wurde, behandelten die Ärzte den Patienten mit speziellen Antibiotika und die Symptome bildeten sich zurück.