Rätselhafte Diskrepanz: Männer scheinen anfälliger für Krebs als Frauen, denn fast alle Tumorarten kommen bei ihnen häufiger vor. Dies bestätigt nun eine US-Langzeitstudie mit mehr als 300.000 Teilnehmenden – und liefert erste Hinweise auf die Ursachen. Demnach kann die oft ungesundere Lebensweise von Männern ihr erhöhtes Krebsrisiko nur zum Teil erklären. Stattdessen geht ein Großteil der geschlechtsspezifischen Unterschiede offenbar auf fundamentale biologische Faktoren zurück.
Jedes Jahr erkranken weltweit fast 20 Millionen Menschen an Krebs, Tumorleiden sind nach Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Trotzdem sind die Ursachen der Entartung von Zellen bisher erst in Teilen geklärt. Klar scheint, dass sowohl genetische Faktoren und Mutationen, als auch Umwelteinflüsse, Viren und die Lebensweise eine Rolle spielen können. Strittig ist aber beispielsweise, warum bei vielen Krebsarten Männer deutlich häufiger betroffen sind als Frauen.
Bis zu 10,8-mal mehr Tumorfälle bei Männern
Wie groß die geschlechtsspezifischen Unterschiede tatsächlich sind und warum, haben Sarah Jackson vom National Cancer Institute in den USA und ihre Kollegen untersucht. Dafür werteten sie Daten von mehr als 170.000 Männern und gut 122.000 Frauen zwischen 50 und 71 Jahren aus, die an einer nationalen Langzeitstudie teilgenommen hatten. Das Team verglich das Auftreten von 21 bei beiden Geschlechtern vorkommenden Krebsarten, aber auch Lebensumstände und Risikofaktoren.
Das Ergebnis: Bei 19 der 21 Tumorarten erkrankten signifikant mehr Männer als Frauen, nur bei Schilddrüsenkrebs und Gallenblase waren mehr Frauen als Männer betroffen. Bei allen anderen Tumorleiden lag das Risiko für Männer je nach Krebsart zwischen 1,3- und 10,8-mal höher als bei ihren weiblichen Altersgenossinnen. Am größten waren die Geschlechtsunterschiede beim Speiseröhrenkrebs, gefolgt von Krehlkopfkrebs und Krebs des Mageneingangs mit jeweils 3,5mal mehr männlichen Fällen.