Stich mit Folgen: Zum ersten Mal hat sich ein Mensch in Deutschland durch einen Mückenstich mit dem West-Nil-Virus angesteckt. Der exotische Krankheitserreger infizierte einen Mann aus Sachsen und löste bei ihm eine Gehirnhautentzündung aus, wie Forscher berichten. Da sich die Mückensaison dem Ende zuneigt, nimmt das Risiko für weitere Übertragungen zwar derzeit ab. Experten rechnen jedoch spätestens im kommenden Sommer mit weiteren Fällen.
Das West-Nil-Virus gehört zu den exotischen Krankheitserregern, die sich durch den Klimawandel zunehmend auch in Europa ausbreiten. Das von Stechmücken übertragene Virus nutzt vor allem Vögel als Wirte und stammt eigentlich aus Afrika. Nachdem der Erreger auf unserem Kontinent zunächst in Süd- und Südosteuropa auftrat, wurde er im vergangenen Jahr erstmals in Deutschland nachgewiesen.
Damals waren nur Vögel und Pferde betroffen – doch nun hat sich offenbar auch der erste Mensch in der Bundesrepublik durch einen Mückenstich mit dem West-Nil-Virus infiziert. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilt, hat sich ein Mann aus Sachsen mit dem Erreger angesteckt und als Folge eine Gehirnentzündung entwickelt. Der Patient sei inzwischen aber wieder genesen.
„Mit weiteren Infektionen rechnen“
Bereits im vergangenen Jahr hatte sich ein Tierarzt aus Bayern bei der Obduktion eines infizierten Vogels mit dem Erreger angesteckt. Der aktuelle Fall ist aber die erste bekannte Übertragung durch Mücken in Deutschland. „Das Risiko weiterer Fälle nimmt derzeit ab, da die Zahl der Mücken im Herbst zurückgeht. In den kommenden Sommern müssen wir jedoch mit weiteren West-Nil-Virus-Infektionen rechnen“, erklärt RKI-Präsident Lothar Wieler. „Glücklicherweise verläuft der Großteil der Fälle mild.“