Im Takt des Herzens: Unser Gehirn kann direkt erspüren, wie schnell unser Puls schlägt – und reagiert darauf seinerseits mit rhythmischen Hirnströmen, wie Forschende nun erstmals entdeckt haben. Demnach reagieren spezielle „Wächterzellen“ im Riechkolben, Hippocampus und anderen Hirnarealen auf den mechanischen Reiz des Blutdruck-Takts. Dies ist der erste Nachweis einer solchen Rhythmus-Selbstwahrnehmung im lebenden Gehirn, wie das Team in „Science“ berichtet. Wozu sie genau dient, ist jedoch unbekannt.
Unser Nervensystem kann nicht nur Reize von außen aufnehmen – es reagiert auch auf interne Informationen – auf Botenstoffe und Nervenreize aus unseren Organen, Geweben und Gelenken. Diese Interozeption – Selbstwahrnehmung – ist wichtig, um unseren Stoffwechsel und unsere Verhalten an unseren Körperzustand anzupassen.

Es gibt zudem Hinweise darauf, dass unsere Selbstwahrnehmung auch bestimmte rhythmische Prozesse wie die Atmung und den Puls erfasst. So existieren in der Aorta und im Herzen Zellen, die den Takt des Blutstroms erspüren. Außerdem haben Neurowissenschaftler kürzlich nachgewiesen, dass sich Hirnaktivität im Schlaf an den Rhythmus unserer Atmung anpasst.
„Mysteriöse oszillierende Signale“
Jetzt enthüllt ein Zufallsfund, dass unser Gehirn ebenfalls auf den Takt des Herzschlags reagiert. „Das ganze Projekt begann mit einigen sehr seltsamen Beobachtungen in einem ganz anderen Projekt“, erklärt Seniorautorin Veronica Egger von der Universität Regensburg. In diesem Experiment verfolgte das Team die Hirnaktivität im halb herauspräparierten Riechkolben einer Ratte. Dieser wurde über eine externe Pumpe mit sauerstoffreicher Nährlösung versorgt.