Auf das Timing kommt es an: Forscher haben das Geheimnis der Neuronenvielfalt in unserem Gehirn entschlüsselt. Ihre Untersuchungen mit Mäusen zeigen: Im Laufe der embryonalen Entwicklung spulen bestimmte Vorläuferzellen eine Reihe von genetischen Programmen ab. Auf diese Weise entstehen nach einem festgelegten zeitlichen Muster unterschiedliche Arten von Neuronen. Wird dieser fein orchestrierte Prozess gestört, hat das fatale Folgen.
Alle Neuronen unseres Gehirns gehen im Laufe der embryonalen Entwicklung aus sogenannten Stamm- oder Vorläuferzellen hervor. Bei diesem Prozess entsteht eine erstaunliche Vielfalt von Zelltypen: Allein im cerebralen Cortex sitzen einige Dutzend unterschiedliche Arten von Neuronen. Zusammen bilden sie unzählige neuronale Schaltkreise, die die Basis für unsere Wahrnehmung, unsere Gedanken und Taten bilden.
Rätselhaft blieb bisher allerdings, wie sich dieses einzigartige Gefüge entwickeln kann: Wie schaffen es die Vorläuferzellen, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort ganz bestimmte Neuronen-Typen zu generieren? Genau dieser Frage haben sich nun Ludovic Telley von der Universität Genf und seine Kollegen gewidmet. Um herauszufinden, welche Faktoren die Zellproduktion steuern, schauten sie sich die Neurogenese bei Mäuse-Embryonen an.
Unterschiedliche Genprogramme
Konkret beobachteten sie im Detail, was im Laufe der Entwicklung des cerebralen Cortex bei den Nagern passiert. Möglich wurde dies durch eine neuartige, als FlashTag bezeichnete Technik, mit der Vorläuferzellen und die aus ihnen hervorgehenden Tochterzellen markiert und beobachtet werden können. Dabei untersuchten die Wissenschaftler auch, welche Gene in den Zellen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Entwicklung abgelesen werden.