Blutmarker zeigen Veränderungen beim Fasten an
Eine Forschungsgruppe um Langenberg und Erstautor Maik Pietzner vom BIH ist dem nun mithilfe neuer Analyse-Techniken nachgegangen. Diese ermöglichten es den Forschenden, umfassende Gesundheitsdaten von gesunden Testpersonen innerhalb kurzer Zeit auszuwerten. Die fünf Frauen und sieben Männer nahmen dafür freiwillig an einem siebentägigen reinen Wasserfasten teil. Das heißt, sie nahmen keinerlei Nahrung zu sich und tranken nur Wasser.
Dabei überwachten die Forschenden die Probanden täglich engmaschig, stellten sie auf eine Körperanalyse-Waage und nahmen ihnen regelmäßig Blut ab. Darin maßen sie die Konzentration von knapp 3.000 verschiedenen Proteinen sowie verschiedene Nährstoffe. Diese Blutwerte glichen Pietzner und seine Kollegen dann mit großen genetischen Studien ab, um mögliche Konsequenzen für die Gesundheit durch veränderte Konzentrationen bestimmter Proteine vorherzusagen.
Fasten verbrennt Körperfett
Zunächst zeigte sich, dass alle Teilnehmenden beim Fasten an Gewicht verloren. Im Durchschnitt nahmen sie innerhalb der Testwoche 5,7 Kilogramm ab. Das meiste davon war Muskel-, Organ-, oder Bindegewebsmasse. Nach drei Tagen mit normalem Essen hatten die Testpersonen diese Masse jedoch fast komplett wieder ersetzt, wie die Forschenden berichten.
Die durchschnittlich 1,6 Kilogramm, die die Probanden während des Fastens an Fett verloren, setzten sie allerdings nicht wieder an. Damit belegt die Studie, dass Fasten beim Abnehmen nachhaltig helfen kann. „Fasten ist, wenn es sicher durchgeführt wird, eine wirksame Maßnahme zur Gewichtsabnahme“, sagt Langenberg.
Fasten verändert den ganzen Stoffwechsel
Darüber hinaus entdeckten Pietzner und seine Kollegen, dass sich die Proteinzusammensetzung im Blut der Testpersonen nach drei Tagen Fasten deutlich veränderte. Bei jedem dritten der gemessenen Proteine, insgesamt 1.044 Varianten, nahm die Konzentration während des Fastens ab oder seltener auch zu. Bei 66 dieser Proteine war die Konzentration auch noch drei Tage nach Ende der Fastenzeit verändert, wie die Messungen zeigten. Das Muster der Veränderungen war dabei über alle Testpersonen hinweg sehr ähnlich.
Unter den beim Fasten vermehrt oder verringert nachweisbaren Proteinen waren erwartbare Biomoleküle wie zum Beispiel jene, die anzeigen, dass der Stoffwechsel beim Fasten Körperfett statt Zucker als Energiequelle nutzte. Aber auch Proteine, die nicht direkt am Energiestoffwechsel und Gewichtsverlust beteiligt sind, waren betroffen – zum Beispiel die Proteine, die die Stützstruktur der Neuronen im Gehirn bilden.
Veränderungen erst nach drei Tagen
Die Wissenschaftler schließen daraus, dass der gesamte Körper auf die strikte Kalorienbeschränkung reagiert und seinen Stoffwechsel anpasst, einschließlich aller wichtigen Organe. „Unsere Ergebnisse zeigen nicht nur eindeutig den Gewichtsverlust, sondern auch andere weitreichenden Veränderungen im Körper. Letztere sind allerdings erst nach drei oder mehr Tagen ganz ohne Kalorienaufnahme sichtbar, deutlich später als bisher vermutet”, sagt Langenberg. Beim Intervallfasten treten diese Effekte daher nicht auf.
Die Studie zeigt detailliert, welche Stoffwechselreaktionen durch das mehrtägige Fasten verbessert werden. „Zum ersten Mal können wir sehen, was auf molekularer Ebene im Körper passiert, wenn wir fasten”, sagt Langenberg. Die Ergebnisse zeigen zum Beispiel, dass im Blut verstärkt bestimmte Proteine vorkommen, die Nervenzellen und Synapsen stabilisieren. Das könnte erklären, warum Fasten gegen neurologische Erkrankungen wie Epilepsie bei Kindern hilft. Dank Fasten seltener im Blut finden sich beispielsweise auch Proteine, die Rheuma auslösen.
Fasten ist nicht für jeden gut
Die Messdaten legen aber auch nahe, dass diese Veränderungen nicht immer gesundheitsförderlich sind: So tritt beim Fasten zum Beispiel verstärkt ein Blutgerinnungsfaktor im Blut auf, der Thrombosen fördern kann. Andere Veränderungen des Proteinhaushalts könnten langfristig die Knochen oder das Herz schwächen, wie die Forschenden berichten.
„Auch wenn Fasten für die Behandlung einiger Krankheiten von Vorteil sein kann, kommt es für Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen häufig nicht in Frage“, sagt Pietzner. In welchen Fällen Fasten förderlich oder schädlich ist, müssen nun noch Folgestudien mit mehr Probanden bestätigen. (Nature Metabolism, 2024; doi: 10.1038/s42255-024-01008-9)
Quelle: Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), Queen Mary University of London
6. März 2024
- Claudia Krapp