Absicht oder nicht? Handelt jemand unmoralisch, so unterstellen wir ihm schneller Absicht als bei positivem Handeln. Grund für diesen Gegensatz sind zwei verschiedene Mechanismen im Gehirn, wie Neuropsychologen herausgefunden haben: Je emotionaler wir reagieren, desto eher unterstellen wir Absicht. Bei rationalem Denken bewerten wir das Ergebnis einer Handlung dagegen eher als ungewollten Nebeneffekt, erläutern die Forscher im Journal „Scientific Reports“.
Egal ob wir beobachten, wie jemand einem alten Menschen über die Straße hilft oder sich in einer Warteschlange vordrängelt, oder ob wir gar Zeuge eines Verbrechens werden: Wir interpretieren die Absichten anderer Menschen und urteilen danach. Wie eng solche Urteile mit unserem Denken verknüpft sind, zeigt ein philosophisches Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, ein Top-Manager weiß genau, dass sein geplantes Vorgehen die Umwelt schädigen wird. Die Umwelt ist ihm jedoch egal, und er setzt seinen Plan allein wegen des Profits für sein Unternehmen um. Hat er nun absichtlich die Umwelt geschädigt?
Schädliche oder gute Absichten?
Diese Frage beantworten über 80 Prozent der Menschen mit „Ja“, wie eine frühere Studie zeigte. Ersetzt man in dem Experiment jedoch „schädigen“ durch „schützen“, so unterstellen interessanterweise nur noch weniger als 25 Prozent der Befragten dem Manager eine Absicht. Psychologen bezeichnen dies als den „Knobe-Effekt“: Warum verurteilen wir eine als schlecht wahrgenommene Handlung so schnell, sind aber bei lobenswerten Aktionen zurückhaltender?
„Es gibt keinen logischen Grund, warum wir etwas als absichtlich bezeichnen, nur weil es zu einem schlechten statt einem guten Ergebnis führt“, meint Scott Huettel von der Duke University im US-Bundesstaat North Carolina. „Absicht unterstellt ein Ziel der handelnden Person, und das sollte für Gutes genauso wie für Schlechtes vorhanden sein. Ist es aber nicht.“