Verblüffend simpel: Physiker haben eine neue Art gefunden, um die Feinstrukturkonstante direkt zu messen – eine der wichtigsten Grundgrößen der Physik. In ihrem Experiment verrät sich dieser Wert für die elektromagnetische Grundkraft durch eine sprunghafte Änderung in der Polarisation eines Messstrahls. Am Drehwinkel lässt sich dann direkt die Feinstrukturkonstante ablesen – ohne fehleranfällige Umrechnungen oder veränderliche Einflussfaktoren.
Die Feinstrukturkonstante ist eine der fundamentalen Größen unseres Universums: Sie beschreibt die Stärke der elektromagnetischen Wechselwirkung und damit eine der vier Grundkräfte. Damit bestimmt sie unter anderem die Größe der Atome, prägt kernphysikalische und chemische Reaktionen und fast alle Prozesse in unserem Universum. Auch viele Naturkonstanten und unser physikalisches Standardmodell beruhen auf ihr.
Entsprechend wichtig ist es, die Feinstrukturkonstante möglichst genau zu kennen. Zwar lässt sich ihr Näherungswert einfach als Bruchzahl 1/137 angeben. Um ihren präzisen Wert zu ermitteln, sind jedoch teils aufwendige Experimente nötig. Dabei werden in der Regel zunächst andere, verwandte Größen gemessen, aus denen man dann die Feinstrukturkonstante errechnet.

Mit Quanten-Hall-Effekt und Polarisation
Doch es geht auch einfacher, wie nun Physiker um Alexey Shuvaev von der TU Wien demonstrieren. Sie haben ein Experiment entwickelt, durch das die Feinstrukturkonstante direkt messbar wird. Grundlage ihres Ansatzes ist der sogenannte Quanten-Hall-Effekt. Er sorgt bei tiefen Temperaturen und starken Magnetfeldern dafür, dass sich der Widerstand eines Materials nicht mehr kontinuierlich verändert, sondern stufenweise – er wird gequantelt.