Durch die Energiebarriere: Durch das Quantentunneln können chemische Reaktionen auch unterhalb der eigentlich nötigen Energieschwelle stattfinden. Eine solche quantenphysikalische Tunnelreaktion haben Forschende nun erstmals experimentell beobachtet und im Quantenmodell nachvollzogen. Ein negativ geladenes Deuterium-Ion reagierte dabei durch Tunneln mit molekularem Wasserstoff. Es handelt sich dabei um die langsamste Reaktion mit geladenen Teilchen, die je beobachtet wurde.
In der Quantenphysik gelten andere Gesetze als in unserer Makrowelt. In der Quantenwelt können Teilchen beispielsweise energetische oder physikalische Barrieren durchdringen: Sie durchtunneln die Barriere. Möglich wird dies, weil der Aufenthaltsort und das Verhalten des Teilchens von Wahrscheinlichkeiten bestimmt wird – und es existiert eine gewisse, wenn auch geringe Wahrscheinlichkeit, dass das Teilchen sich jenseits der Barriere befindet.
Schwer fassbares Tunneln
In der Chemie führt das Quantentunneln beispielsweise dazu, dass Atome in einem Molekül ihre Plätze wechseln oder dass chemische Reaktionen auch unterhalb der eigentlich nötigen Schwellenenergie ablaufen. „Solche Tunnelreaktionen sind wegen der komplexen Quantendynamiken aber nur schwer theoretisch zu modellieren und auch ihr experimenteller Nachweis ist sehr schwierig“, erklären Robert Wild und seine Kollegen von der Universität Innsbruck.
Das Problem: Eine durch den Tunneleffekt ablaufende Reaktion ist sehr unwahrscheinlich. Dadurch findet sie nur bei sehr wenigen beteiligten Teilchen statt und verläuft gewissermaßen schleichend. Wild und seine Kollegen haben nun eine Reaktion gefunden, die sich einerseits gut beobachten lässt und die andererseits noch einfach genug ist, um die Vorgänge quantenmechanisch zu beschreiben.