Rechts wie links: Welche Hand wir im Alltag bevorzugt verwenden, hat keinen Einfluss auf unsere Fähigkeit zu navigieren. Linkshänder können sich nicht besser orientieren als Rechtshänder, wie Forschende ermittelt haben. Das widerspricht früheren Ergebnissen, wonach sich Linkshänder besser räumlich zurechtfinden sollen. Diese älteren Studien wiesen jedoch methodische Mängel auf, die nun überwunden wurden.
Wir Menschen schreiben meist nur mit einer unserer beiden Hände und nutzen auch bei anderen Tätigkeiten, etwa Umarmungen, überwiegend eine bevorzugte Hand. Entsprechend bezeichnen wir uns als Rechts- oder Linkshänder, es gibt aber auch beidhändige Menschen. Ob es einen Zusammenhang zwischen dieser Präferenz und den kognitiven Fähigkeiten einer Person gibt, wird seit langem wissenschaftlich untersucht. Eine dieser geistigen Fähigkeiten ist das räumliche Navigieren: Wie gut finden wir uns in unserer Umgebung zurecht? Das hängt von unserem räumlichen Vorstellungsvermögen ab.
Mehrere frühere Experimente mit je einigen hundert Probanden deuteten darauf hin, dass Linkshänder beim Navigieren besser abschneiden als Rechtshänder. Basierend auf Studien zur Asymmetrie unseres Gehirns wird angenommen, dass für das räumliche Vorstellungsvermögen unsere rechte Hirnhälfte zuständig ist, und dass diese von Linkshändern stärker genutzt werden kann als von Rechtshändern, wodurch sie besser navigieren.
Methodische Mängel früherer Studien
Diese Theorie wurde aber bislang nicht eindeutig belegt und es gibt auch einige Studien mit gegenteiligem Ergebnis. Ein Grund dafür ist, dass sich die Fähigkeit zu navigieren nur schwer im echten Leben messen lässt, weswegen die Experimente modellhaft mehr oder weniger alltägliche Situationen nachahmten. Noch schwerer ist es, aus den Daten einen Zusammenhang mit der präferierten Handseite herzustellen, ohne dass andere Einflussfaktoren die ohnehin nur schwache Korrelation verfälschen.