Nichts ist wie es scheint: Hypnose kann unser Tastempfinden verändern – je nach Suggestion kann es präziser oder weniger akkurat werden, wie ein Hypnose-Experiment belegt. Demnach werden wir dann feinfühliger, wenn wir unter Hypnose annehmen, unser Zeigefinger sei fünfmal größer. Gehen wir davon aus, er sei erheblich kleiner, fühlen wir hingegen weniger präzise. Dies bestätigt, dass unsere Gedanken auch unseren Tastsinn beeinflussen können, wie das Team erklärt.
Wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen, gleicht keinem detailgetreuen Spiegel der Wirklichkeit, sondern ist stets getrübt von subjektiven Einflüssen. So ordnen wir zum Beispiel unter Schlafmangel fremde Gesichter als weniger vertrauenswürdig ein oder nehmen generell die Welt unseren Vorurteilen entsprechend wahr. Wer zum Beispiel Männern grundsätzlich aggressive Eigenschaften zuschreibt, interpretiert ein männliches Gesicht automatisch als wütender.
Doch nicht nur unsere visuelle, sondern auch die taktile Wahrnehmung lässt sich beeinflussen: Romantische Musik etwa lässt uns Berührungen erwiesenermaßen als sinnlicher empfinden. Ob jedoch neben Musik auch die reine Kraft der Gedanken ausreicht, um unsere Wahrnehmung zu verändern, war bislang ein Streitpunkt innerhalb der Neurowissenschaft.

Nadelstiche unter Hypnose
Forschende um Marius Markmann von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) sind dem Rätsel der Gedankenkraft nun mit einem neuen Ansatz nähergekommen. Dafür untersuchten sie das Tastempfinden von 24 Testpersonen mit der sogenannten Zwei-Punkt-Diskrimination. Bei dieser Methode liegt der Zeigefinger entspannt auf einer Apparatur, bei der zwei Nadeln immer wieder den Finger schmerzfrei, aber deutlich berühren.