Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik haben bei der Untersuchung des chaotischen Verhaltens in der Quantenwelt zum ersten Mal Quantenchaos bei der Ionisation von Atomen zeigen können. Mit Hilfe von Laserlicht lösten sie Elektronen in starken elektromagnetischen Feldern aus einzelnen Rubidiumatomen. Anschließend maßen sie typische Schwankungen im Elektronenstrom in Abhängigkeit von der Frequenz des Laserlichtes, die auf die chaotische Bewegung der Elektronen zurückzuführen sind. Das Experiment basiert auf einem Versuch aus den Anfangszeiten der Quantenmechanik, dem Nachweis des Fotoeffektes. Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Physical Review Letters.
In der makroskopischen Alltagswelt des Menschen herrscht oft „deterministisches Chaos“: Wie sich Wetter- und Strömungsverhältnissen in Zukunft entwickeln, wie sich Himmelskörper bewegen oder wie eine Insektenpopulation wächst, das lässt sich exakt in Formeln beschreiben, diese Vorgänge sind „deterministisch“. Doch wie sie sich entwickeln, das hängt zugleich sehr empfindlich von den Startwerten ab. Schon der geringste Fehler bei der Messung des Ausgangszustandes kann eine langfristige Vorhersage unmöglich machen – Physiker sprechen davon, die Vorgänge seien „chaotisch“.
Auch mikroskopische Vorgänge können sehr komplex sein. Doch die Quantenmechanik schließt ein „deterministisches Chaos“ für Welt der Atome strikt aus – unter anderem deshalb, weil sich quantenmechanische Systeme nichtdeterministisch aus vielen gleichzeitigen Anfangszuständen entwickeln. In der Quantenchaosforschung suchen Physiker daher in der Welt der Quanten nach Entsprechungen zum deterministischen Chaos der Alltagswelt. So erforschen Wissenschaftler des Max-Planck-Institut für Quantenoptik quantenmechanische Systeme, die nach den Regeln der makroskopischen Physik deterministisch chaotisch wären.
Erster experimenteller Nachweis von Quantenchaos gelungen
Den Wissenschaftlern um Gernot Stania und Herbert Walther gelang jetzt der erste experimentelle Nachweis von Quantenchaos in einem System, in dem sich die Bestandteile während des Experiments im Prinzip beliebig weit in alle Richtungen entfernen können. Sie griffen dabei auf ein historisches Experiment zurück: Einen Versuch zum Nachweis des Fotoeffektes, bei dem Elektronen aus einem Metall freigesetzt werden, sobald man sie mit Licht bestrahlt.