Wissenschaftler haben einen Roboter mit der Fähigkeit zur Eigenwahrnehmung entwickelt. Die lernfähige Maschine beobachtete sich über mehrere Kameras und entwickelte daraus selbstständig ein Modell ihrer Form und Bewegungen. Sie verfügte damit über eine einfache Form der Selbsteinschätzung, die ihr bei Aufgaben zugute kam. Dies könnte die Entwicklung von autonomeren und selbst-bewussteren Maschinen voranbringen, wie die Forscher im Fachmagazin „Science Robotics“ berichten.
Die Wahrnehmung des eigenen Körpers ist nicht immer zu hundert Prozent realistisch. Dennoch ist sie eine entscheidende Information, um sich in der Welt zurechtzufinden. Wenn ein Mensch rennt oder einen Ball wirft, plant sein Gehirn voraus, wie sich der Körper bei welcher Bewegung verändert, damit er beispielsweise nicht stolpert. Während Menschen den eigenen Körper bereits im Kindesalter Stück für Stück kennenlernen, waren Roboter bisher eher darauf fokussiert, die Welt um sie herum wahrzunehmen.
Fünf Kameras zur Selbstbeobachtung
Ein Team um Boyuan Chen von der Columbia University in New York hat nun auch einen Roboter dazu befähigt, eine Art Körperbewusstsein zu entwickeln. „Wir Menschen haben ein klares Selbstverständnis“, sagt Chen. „Wir können unsere Augen schließen und uns vorstellen, wie sich unser Körper bewegt, wenn wir beispielsweise unsere Arme ausstrecken oder einen Schritt rückwärts machen würden. Irgendwo in unserem Gehirn haben wir dieses Selbstverständnis, ein Modell, das uns darüber informiert, welchen Raum wir einnehmen und wie sich dieser verändert, wenn wir uns bewegen.“
Das Ziel der Wissenschaftler war es, ein solches Selbstverständnis auch bei einem Roboterarm zu etablieren. Hierzu haben sie ihn mit fünf um ihn herum platzierten Kameras verbunden, über die er sich selbst beobachten konnte. Über insgesamt drei Stunden führte der Roboter dann zufällige Bewegungen aus, um anschließend seine Körperform und Bewegungsmöglichkeiten zu analysieren. So konnte er knapp 8.000 Datenpunkte sammeln, über die sein neuronales Netzwerk den Zusammenhang zwischen einer motorischen Bewegung und dem Raum, den er nach dieser einnimmt, lernen konnte.