Praxistest bestanden: Ein originalgetreuer Nachbau des ersten Doppeldeckers der Welt ist zum ersten Mal geflogen – mit Bravour. Der doppelstöckige Gleiter war im Jahr 1895 von Flugpionier Otto Lilienthal entworfen und geflogen worden. Wie die Testflüge eines historisch korrekten Nachbaus nun belegen, war dieser Flugapparat schon erstaunlich ausgereift und gut zu fliegen. Diese Flugversuche belegen damit erneut, wie weit Lilienthal damals seiner Zeit voraus war.
Otto Lilienthal gilt einer der größten Flugpioniere der Geschichte. Seine Gleiter ebneten der Luftfahrt den Weg. Doch wie ausgereift diese Flugapparate tatsächlich waren, blieb lange umstritten – auch, weil ihr Konstrukteur bei einem Testflug tödlich verunglückte. Bereits 2016 bauten Forscher deshalb Lilienthals Normal-Segelapparat nach und testeten ihn im Windkanal – mit überraschend positiven Ergebnissen.

Zwei Gleiterflügel übereinander
Jetzt hat ein weiteres Fluggerät Lilienthals seinen Praxistest bestanden – der erste Doppeldecker der Welt. Otto Lilienthal konstruierte diesen Gleiter mit 6,60 Metern Spannweite im Jahr 1895, indem er seinen Eindecker-Gleiter um zwei kleinere, über den Hauptflügeln angebrachte Tragflächen erweiterte. Mit diesem Doppeldecker absolvierte der Flugpionier mehrere Segelflüge von bis zu 280 Metern Länge.
Diesen Gleiter hat nun ein Team von Luftfahrthistorikern und Forschern im Otto-Lilienthal-Museum in Anklam nach erhaltenen Plänen Lilienthals originalgetreu nachgebaut. Sie nutzen dafür nur die Materialien, die auch Lilienthal für seine Konstruktion nutzte, darunter Weidenruten, Hanfseil, Stoff und Stahldraht. Die Verspannung der Gleitflächen lässt sich mittels Spannschlössern justieren, die Lilienthals damals eigens für diesen Zweck entwickelt hatte.