Turbo für die Elektronik? Forschenden ist es erstmals gelungen, einen Halbleiter-Chip aus Graphen herzustellen – die Basis für eine kohlenstoffbasierte, schnellere Elektronik. Möglich wurde dies durch die Kombination einer Graphenschicht mit Siliziumcarbid, das dem Graphen die für einen Halbleiter nötige Bandlücke verleiht. In ersten Tests bewegten sich Ladungen im anregten Graphen-Halbleiter zehnfach schneller als in Silizium, zudem entstand weniger Wärme als bei gängigen Halbleiter-Bauteilen, wie das Team in „Nature“ berichtet.
Bisher ist Silizium der Halbleiter der Wahl: Das Element steckt in nahezu allen Transistoren und elektronischen Schaltkreisen und dient dort als Schalter und Verstärker für den Ladungstransport. Wie bei allen Halbleitern ist dafür die Bandlücke des Materials entscheidend: Im Normalzustand sind die Elektronen im Halbleiter fest gebunden – er ist ein Nichtleiter. Gibt man jedoch Energie in Form von elektrischer Spannung, Licht oder Wärme hinzu, überspringen die Elektronen eine Energiebarriere – die Bandlücke – und werden mobil.
Neue Halbleiter gesucht
Doch durch die fortschreitende Miniaturisierung und immer höheren Leistungsanforderungen an die Computertechnik stößt die Silizium-basierte Elektronik inzwischen an ihre Grenzen. Wissenschaftler suchen deshalb nach alternativen, noch effizienteren Halbleitern. Ein heißer Kandidat dafür ist Graphen: Dieses einem Maschendrahtzaun aus Kohlenstoffatomen ähnelnde Material ist transparent, leicht, flexibel und unglaublich stabil – aber von Natur aus kein Halbleiter. Ihm fehlt die Bandlücke.
An diesem Punkt setzt die Neu-Entwicklung eines Teams um Jian Zhao von der Tianjin Universität in China an. Sie hatten nach einer Methode gesucht, Graphen die fehlende Bandlücke zu verleihen und gleichzeitig praktisch nutzbare Halbleiterchips herzustellen. Frühere Experimente hatten bereits ergeben, dass sich die elektronischen Eigenschaften des Graphens durch Einengung des Bewegungsspielraums seiner Elektronen verändern lassen – beispielsweise, indem man das Graphen in schmale Bänder schneidet. Allerdings schwankt die Qualität dabei stark.