Die Verschlüsselung von Daten mittels Quantenkryptographie gab es bisher nur als Zweier-Verbindung auf dem Markt. Jetzt aber wurde in Wien das erste marktreife Kommunikationsnetzwerk präsentiert, in dem vertrauliche Daten auch unter mehreren Teilnehmern mit Hilfe von Quantenkryptographie über handelsübliche Glasfasernetze verschlüsselt ausgetauscht werden.
Um sicher zu gehen, dass vertrauliche Kommunikation nicht von unautorisierten Dritten angezapft wird, muss man verschlüsseln. In der Quantenkryptographie werden für die Erzeugung der Datenschlüssel einzelne Lichtteilchen speziell präpariert und zwischen Partnern im Netzwerk ausgetauscht. Nach der Messung der Lichtteilchen werden die Messergebisse nachbearbeitet. Das Resultat: alle Partner, die an der vertraulichen Kommunikation beteiligt sind, haben identische Datenschlüssel bestehend aus einer zufälligen Abfolge von Nullen und Einsen. Ein möglicher Lauscher kann prinzipiell keine Information über diesen Datenschlüssel bekommen – egal welche erdenklichen Möglichkeiten er zur Verfügung hat. Denn nach den Gesetzen der Quantenphysik, hinterlässt jede Messung dauerhafte Spuren und kann daher sofort registriert werden.
Bisher nur Punkt-zu-Punkt-Lösungen
Bisherige Entwicklungen der Quantenkryptographie konzentrierten sich auf die Kommunikation zwischen zwei Partnern mit nur einer Verbindungslinie. Dazu gibt es bereits mehrere kommerzielle Produkte auf dem Markt. Für ausgewählte Szenarien, wie etwa die Verbindung zweier Datenzentren in einer Stadt, reichen diese Punkt-zu-Punkt-Lösungen aus. Die maximale Distanz zwischen den beiden Partnern ist dabei allerdings auf etwa 100 Kilometer beschränkt, die Rate der Schlüsselerzeugung ist relativ gering – vergleichbar mit einem Modem aus den 1980er Jahren. Außerdem legt ein massiver Lauscherangriff gleich die geamte Verbindung lahm.
Sechs Knotenpunkte im Netz
In dem jetzt in Wien vorgestellten Netztwerk kann dies nicht passieren, denn ist eine Verbindung blockiert, wird auf andere ausgewichen und die Schlüsselverteilung ist nicht unterbrochen. Ein weiterer Vorteil des Netzwerks: mehrere Partner können gleichzeitig Datenschlüssel für ihre vertrauliche Kommunikation erzeugen – eine Voraussetzung etwa für Videokonferenzen mit mehr als nur zwei Teilnehmern. Potenzielle Kunden für so ein Netzwerk sind alle, die vertrauliche Informationen vor dem Zugriff unautorisierter Dritter schützen wollen, wie etwa Regierungsstellen, Finanzinstitutionen oder Firmen mit mehreren Standorten.