Exotischer Effekt: Ein so normales Material wie Graphit kann Hitze zu einem ungewöhnlichen Verhalten bringen. Denn statt sich diffus auszubreiten, bildet die Wärme in kaltem Graphit eine Welle – und breitet sich damit ähnlich geballt aus wie der Schall. Das Spannende daran: Durch diese Welle wird die Hitze abrupt und vollständig abgeleitet – und das könnte eine neuartige, hocheffektive Kühlung von Computern und Elektronikbauteilen ermöglichen, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.
Graphit ist ein Allerweltsmaterial: Diese Kohlenstoffform steckt in den Schreibminen unserer Bleistifte, wird als Schmierstoff oder Ofenauskleidung eingesetzt und dient in Lithium-Ionen-Akkus als Elektrode. Zudem ist Graphit der gängige Ausgangsstoff bei der Herstellung des „Wundermaterials“ Graphen. Denn jede einzelne der nur lose verbundenen Kohlenstoffschichten im Graphit besteht aus einem Graphengitter.
Welle statt Diffusion
Doch wie sich jetzt zeigt, kann Graphit auch ganz exotische Eigenschaften entfalten – wenn man dieses Kohlenstoffmaterial stark abkühlt. Denn dann kann es Hitze dazu bringen, sich wie eine Schallwelle auszubreiten, wie Sam Huberman und sein Team vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) herausgefunden haben. Dieses von Physikern als „zweiter Schall“ bezeichnete Phänomen einer „Wärmewelle“ war bisher nur von einer Handvoll exotischer Materialien bekannt.
Das Ungewöhnliche daran: Normalerweise breitet sich Wärme in einem nichtmetallischen Feststoff wie durch Diffusion aus: Am Ursprungsort verursacht die Wärmeenergie stärkere Vibrationen der Atome, die sich dann langsam auf angrenzende Gebiete des Kristallgitters übertragen. Dieser Prozess läuft typischerweise eher langsam und diffus ab. Der Ursprungsort bleibt dabei die wärmste Stelle, weil ein Teil der Wärme immer zurückgestreut wird, wie die Wissenschaftler erklären.