Wirbel im Edelgastropfen: In suprakalten Tröpfchen aus flüssigem Helium hat ein internationales Forscherteam winzige Quantenstrudel beobachtet. Damit weisen die Wissenschaftler nach, dass sich solche Nanotropfen tatsächlich wie Quantenobjekte verhalten, wie das Team im Fachmagazin „Science“ berichtet. Dies erklärt auch einen weiteren außergewöhnlichen Effekt der Tropfen: Sie rotieren schneller, als es nach klassischer Physik möglich wäre.
Das Edelgas Helium zeigt bei extremer Kälte eine merkwürdige Eigenschaft: Dicht über dem absoluten Nullpunkt, bei minus 271 Grad Celsius, wird es supraflüssig. Das bedeutet, seine Viskosität verschwindet vollständig – das supraflüssige Helium kriecht dadurch sogar Wände hinauf und tropft auch durch die allerfeinsten Öffnungen. Der Grund für dieses Verhalten ist ein Quanteneffekt: Bei so niedrigen Temperaturen lassen die Schwingungen der Atome so weit nach, dass sie sich alle gleich verhalten – als ob sie ein einziges, großes Teilchen wären.
Nanotröpfchen unter Röntgenbeschuss
Lässt man das supraflüssige Helium in seinem Behälter rotieren, zeigt sich ein weiterer Quanteneffekt: Es bildet sich ein regelmäßiges Muster von Strudeln in der Flüssigkeit. Unbekannt war jedoch bislang, ob sich dieses Verhalten auch bis auf mikroskopisch kleine Tröpfchen von nur wenigen Nanometern Durchmesser erstreckt. Wäre das der Fall, so ließe sich die Bewegung der Nanotröpfchen als die eines einzelne Quantenobjekts beschreiben, nicht als Summe der darin enthaltenen Teilchen.

Diese Frage haben Forscher um Oliver Gessner vom Lawrence Berkeley National Laboratory nun beantwortet: Sie sprühten flüssiges Helium durch eine feine Düse in eine Vakuumkammer. Im Flug verdunstete ein Teil des Heliums und die Verdunstungskälte kühlte den Rest der Tröpfchen weiter. Nach nur wenigen Millimetern Flugstrecke erreichten die Nanotropfen den supraflüssigen Zustand. Zur Analyse beschossen die Forscher diese Tröpfchen mit dem derzeit weltstärksten Röntgenlaser, der Linac Coherent Light Source (LCLS) am US-Beschleunigerzentrum SLAC in Kalifornien.