Unerklärlicher Effekt: Ein neu entdecktes Verhalten bei Hochtemperatur-Supraleitern widerspricht allen gängigen Theorien. Werden diese Cuprate mit immer mehr zusätzlichen Elektronenlieferanten „dotiert“, dann nimmt die Dichte supraleitender Elektronen in ihnen ab statt wie erwartet zu. Warum diese Elektronen verschwinden, ist rätselhaft – und mit der Standarderklärung der Supraleitung nicht vereinbar, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.
In einem konventionellen Supraleiter fließt Strom ohne Widerstand – allerdings erst bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt. Die Elektronen im Kristallgitter des Materials bilden dann sogenannte Cooper-Paare. In diesem ungewöhnlichen Quantenzustand verhalten sie sich wie eine Superflüssigkeit und können sich daher ohne Reibungsverluste bewegen – das Material wird supraleitend.
„Rätsel seit mehr als 30 Jahren“
Doch es gibt Materialien, die schon bei höheren Temperaturen von „nur“ minus 100 Grad supraleitend werden. Diese sogenannten Hochtemperatur-Supraleiter bestehen meist aus Kupferverbindungen, sogenannte Cupraten, die mit Fremdatomen versetzt sind. Dieses Dotieren liefert zusätzliche, frei bewegliche Elektronen, die das normalerweise nichtleitende Material zum Supraleiter machen.
Strittig ist bisher jedoch, wie genau die Supraleitung bei diesen Cupraten funktioniert. „Die Festkörperphysik versucht schon seit mehr als 30 Jahren, das Rätsel der Hochtemperatur-Supraleiter zu lösen“, erklärt Studienleiter Ivan Bozovic vom Brookhaven National Laboratory. Man nimmt an, dass die Cooper-Paare bei ihnen fester aneinander gekoppelt sind, dadurch werden sie von den stärkeren Schwingungen des wärmeren Atomgitters nicht zerrissen.