Giftige Zweitakter: Motorroller und Mopeds sind beliebte Stadtflitzer – mit einer Schattenseite: Sie stoßen weitaus mehr gesundheitsschädliche Schadstoffe aus als Autos oder LKW, wie ein internationales Forscherteam jetzt festgestellt hat. Obwohl sie nur einen Bruchteil des Verkehrsaufkommens ausmachen, stammt der Löwenanteil der Schadstoffe von ihnen, so die Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“. Erschreckend hoch ist dabei der Ausstoß von giftigem Benzol.
Bisher galten vor allem Lastwagen und andere Dieselfahrzeuge als Hauptquelle für Feinstaub und andere schädliche Abgase im Verkehr. In vielen Ländern gelten daher strenge Abgasnormen für Fahrzeuge mit höheren Emissionswerten. Allerdings: Eine Fahrzeugklasse ist bisher von diesen strengen Normen ausgenommen: Motorroller und Mopeds. In Europa müssen diese Zweitakter bisher nur der weniger restriktiven Abgasnorm Euro 2 genügen, in anderen Regionen gibt es gar keine Auflagen.
Abgas-Test in der Smogkammer
Und das macht sich bemerkbar: Bedingt durch die Funktionsweise des Zweitakter-Motors und den verwendeten Treibstoff setzen Motoroller mehr unverbrannte Treibstoffreste frei, außerdem mehr Abbauprodukte von Ölen. Wie viele gesundheitsschädliche Abgase dieser Zweitakter tatsächlich ausstoßen, haben André Prévôt vom Paul Scherrer Institut in Villigen und seine Kollegen nun genauer untersucht.
Für ihre Studie untersuchten sie die Abgaswerte von Motorollern und Mopeds europäischer Bauart in einer speziellen Smogkammer sowohl im Leerlauf als auch bei der Fahrt. Sie analysierten dabei die Menge an primären organischen Aerosolen (POA), an leicht flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen und an sekundären Emissionen – an Verbindungen, die erst durch Reaktionen des Abgases mit der Umgebungsluft entstehen. Vor allem die organischen Aerosole und die daraus entstehenden Sekundärverbindungen gelten als Vorläufer für Feinstaub und Sommersmog.