Spannende Diskrepanz: Das Myon – der schwere Bruder des Elektrons – verhält sich anders als es sollte, wie aktuelle Messungen des Myon-g-2-Experiments bestätigen. Demnach weicht das anomale magnetische Moment des Elementarteilchens um 4,2 Standardabweichungen von dem im physikalischen Standardmodell vorhergesagten ab. Das könnte darauf hindeuten, dass das Myon mit noch unerkannten Teilchen oder Kräften wechselwirkt.
Das Myon ist extrem kurzlebig und rund 200-mal massereicher als sein „Cousin“, das Elektron. Doch wie diese besitzen auch Myonen ein magnetisches Moment. In einem von außen einwirkenden Magnetfeld führen Wechselwirkungen dazu, dass die Richtung dieses internen Magneten leicht schwankt – ähnlich dem leichten Taumeln der Erdachse durch die Präzession. Dieser sogenannte g-Faktor lässt sich auf Basis von Ladung, Masse und Spin des Myons exakt berechnen.

Verräterisches Taumeln
Doch es gibt eine Anomalie: Bei seinem Flug durch ein externes Magnetfeld interagiert das Myon mit Quantenfluktuationen, durch die in seinem Weg ständig Teilchenpaare quasi aus dem Nichts auftauchen und wieder verschwinden. Diese Interaktionen verändern den g-Faktor um einen geringen Wert – das sogenannte anomale magnetische Moment. Nach dem Standardmodell der Physik müsste diese Anomalie den Wert von a = 116.591.810(43) x 10-11 haben.
Aber schon vor gut 20 Jahren ergaben Messungen am Brookhaven National Laboratory in den USA Abweichungen von diesem Sollwert. Damals lagen die im Myon-g-2-Experiment ermittelten Diskrepanzen bei rund 3,7 Standardabweichungen – zu wenig, um als sichere Entdeckung zu gelten. Dafür war auch die Präzision der Messungen nicht ausreichend. Seither untersuchen Physiker, ob diese Abweichung real oder die Folge systematischer Unsicherheiten in Theorie und Experiment ist.