Überraschung beim Allerwelts-Mineral: Forscher haben eine zuvor unbekannte Kristallform des Kalks entdeckt. Das sogenannte Calciumcarbonat-Hemihydrat (CCHH) entsteht, wenn amorphes Calciumcarbonat in Gegenwart von Magnesium kristallisiert. Calciumcarbonat besitzt demnach nicht nur fünf, sondern sogar sechs verschiedene Kristallstrukturen, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten. Jetzt müssen die Chemielehrbücher umgeschrieben werden.
Calciumcarbonat (CaCO3), im Volksmund als Kalk bekannt, ist eines der größten Reservoire für Kohlenstoff auf unserem Planeten. Es bildet Gesteine wie Kreide, Kalkstein und Marmor, prägt mit seinen bizarren Tropfsteinformationen viele Höhlen und formt die Karstlandschaften der Erde. Calciumcarbonat findet sich aber auch in den Schalen und Skeletten vieler Land- und Wassertiere.
Bisher waren es fünf
Bisher waren fünf Kristallformen des Calciumcarbonats bekannt: die drei reinen Kristallpolymorphe Calcit, Aragonit und Vaterit, sowie zwei Kristallphasen, die gebundenes Wasser enthalten – Monohydrocalcit und Ikait. Zusätzlich zu diesen kristallisierten Formen kann Kalk zudem in verschieden amorphen Zuständen vorkommen. Sie spielen eine entscheidende Rolle als Vorformen für die Kalkschalen vieler Lebewesen – aus ihnen produzieren beispielsweise Seeigel ihre Skelette.
Diesen Prozess wollten Zhaoyong Zou vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam nachvollziehen, als sie im Labor mit dem Übergang von amorphem Calciumcarbonat zu kristallinen Formen experimentierten. Unter verschiedenen Temperaturen und Lösungskonzentrationen testeten sie, wann und wie sich Kristalle bildeten.