Können sich Neutrinos von einer Form in eine andere umwandeln oder nicht? Diese seit Jahren strittige Frage hat jetzt die mit Spannung erwartete Auswertung des entscheidenden Detektorexperiments geklärt. Ergebnis: Die Neutrinos oszillieren doch nicht.
{1l}
Neutrinos spielen eine besondere Rolle in der Astroteilchenphysik: Ihre Masse ist viel kleiner als die aller anderen Elementarteilchen und ihre Wechselwirkung mit normaler Materie ist extrem gering, da sie nur der schwachen Wechselwirkung unterliegen. Aus diesen Eigenschaften resultiert die Tatsache, dass sich die drei verschiedenen Neutrinosorten – elektronische, myonische und tauonische Neutrinos – ineinander umwandeln können. Der Nachweis dieser Umwandlungsprozesse ist extrem schwierig, daher konnten erst 1998 derartige Neutrino-Oszillationen durch Experimente mit atmosphärischen Neutrinos zweifelsfrei nachgewiesen werden, ebenso wie 2001 mit solaren Neutrinos.
Experimente mit widersprüchlichen Ergebnissen
Kurz vor diesen wissenschaftlichen Durchbrüchen veröffentlichten die Wissenschaftler des LSND-Experiments (Liquid Scintillator Neutrino Detector) in Los Alamos im Jahre 1995 einen Aufsehen erregende Beleg für Oszillationen zwischen myonischen und elektronischen Antineutrinos, dersogar Eingang fand in die Titelseite der New York Times. Das einzige Experiment, das dieses Resultat überprüfen konnte, war das KARMEN-Experiment (Karlsruhe Rutherford Mittelenergie Neutrino- Experiment).