Hochgenau trotz Seegang: Forscher haben erstmals eine optische Atomuhr entwickelt, die klein und robust genug für den Einsatz auf hoher See ist. Bei einem dreiwöchigen Marinemanöver ging die nur gut 13 Zentimeter hohe und 50 Zentimeter breite Iod-Atomuhr weniger als 300 Billionstel Sekunden pro Tag falsch – trotz Seegang und schwankender Temperaturen. Sie ist damit die genaueste Uhr auf hoher See und eröffnet neue Möglichkeiten der mobilen Zeitmessung, wie das Team in „Nature“ berichtet.
Dank Atomuhren können wir die Zeit heute genauer messen als je zuvor. Sie bilden die Basis für das GPS-System, die Arbeit großer Rechenzentren und Fabriken sowie für die Forschung. Besonders präzise arbeiten dabei optische Atomuhren, bei denen optische Laser die Zustandsübergänge der ultrakalten Mess-Atome oder -Ionen erfassen. Solche Uhren auf Basis von Strontium- oder Ytterbium-Atomen gehen selbst in Milliarden Jahren keine Sekunde vor oder nach, zudem schwankt ihre Tickrate um weniger als zwei Trillionstel Sekunden.
Das Problem jedoch: Optische Atomuhren sind extrem sensibel und erfordern aufwändige, große Apparaturen, um die Messteilchen von Störeinflüssen der Umgebung zu isolieren. Für mobile Anwendungen sind sie daher nur bedingt geeignet – eine 2020 für Messungen der Zeitdehnung genutzte „mobile“ optische Strontium-Atomuhr füllte einen ganzen Lastwagen. Das macht diese Uhren für Schiffe oder Flugzeuge eher ungeeignet.

„Tickende“ Iod-Moleküle als Zeitmesser
Das hat sich nun geändert: Jonathan Roslund und sein Team von Vector Atomic in den USA haben erstmals optische Atomuhren entwickelt, die klein und robust genug sind, um auch auf hoher See eingesetzt zu werden. Die in ein isolierendes Gehäuse verpackte Atomuhr ist kaum größer als ein normaler Computerserver und wiegt nur 26 Kilogramm. „Die Uhren nutzen eine robuste Dampfzell-Architektur, die keine Laserkühlung oder Prästabilisierungskammer erfordert“, erklären die Forscher.