Stabil, aber kompostierbar: Chemiker haben eine neue Variante des vielgenutzten Kunststoffs Polyester entwickelt, der Plastik deutlich umweltfreundlicher machen könnte. Denn das neue Material ist zwar ähnlich kristallin und stabil wie hochdichtes Polyethylen (HDPE), kann aber dank Sollbruchstellen in den Polymerketten weit besser recycelt und innerhalb weniger Tage bis Wochen biologisch abgebaut werden – sogar in Kompostieranlagen.
Um den Plastikmüll nicht noch weiter anwachsen zu lassen, suchen Wissenschaftler schon seit längerem nach umweltverträglicheren Alternativen. Doch das ist nicht einfach: Viele Biokunststoffe werden zwar aus nachwachsenden Rohstoffen produziert, sind aber dennoch weder klimafreundlich noch ungiftig. Auch mit dem biologischen Abbau dieser Plastikmaterialien hapert es noch. Zudem sind Biokunststoffe längst noch nicht überall einsetzbar.
Stabilität versus Abbaubarkeit
Das Problem: Für viele Anwendungen werden besonders harte, widerstandfähige Kunststoffe benötigt. Sie bestehen meist aus wasserabweisenden Polymeren, deren Ketten mittels Wasserstoffbrücken eine kristallartige Struktur bilden. Ein Beispiel dafür ist hochdichtes Polyethylen (HDPE), aus dem Plastikflaschen für Reinigungsmittel, stabile Folien, Plastikrohre und mittels Spritzguss hergestellte Haushaltswaren und Verpackungen produziert werden.
Doch die große Stabilität bedeutet auch, dass diese Kunststoffe kaum abbaubar sind – sie bleiben über Jahrzehnte bis Jahrhunderte in der Umwelt, ohne zersetzt zu werden. „Die Kristallinität in Kombination mit dem wasserabweisenden Charakter bremst in der Regel die biologische Abbaubarkeit der Materialien stark, weil sie die Zugänglichkeit der Sollbruchstellen für Mikroorgansimen erschwert“, erklärt Seniorautor Stefan Mecking von der Universität Konstanz.