Kosmische Strahlen bestehen aus extrem energiereichen Protonen, sind hunderte von Millionen Mal stärker als alles, was auf der Erde existiert, doch ihr Ursprung war bisher absolut rätselhaft. Jetzt hat eine internationale Kollaboration erstmals entdeckt, dass sie von den Kernen aktiver Galaxien ausgehen. Wie sie in Science berichten, eröffnet diese Erkenntnis eine neue Ära der Astronomie.
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Bis jetzt ist die Geschichte der astronomischen Entdeckungen durch Licht unterschiedlicher Wellenlängen dominiert. Von den ersten optischen Teleskopen bis hin zu den modernen weltraumgestützten Röntgenobservatorien unserer Zeit bestimmten die Photonen, Lichtteilchen, die Astronomie. Bereits 1938 entdeckte der französische Physiker Pierre Auger erstmals die Existenz der kosmischen Strahlen. Seither jedoch ist ihr Ursprung ein Rätsel geblieben. Sie besteht aus Protonen, den positiv geladenen Bestandteilen aller Atomkerne, die mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch das All fliegen. Die stärksten dieser Strahlen enthalten mehr als einhundert Millionen mal mehr Energie als die stärksten in irdischen Teilchenbeschleunigern erzeugten Ionenstrahlen. Die Atmosphäre der Erde schützt uns vor den sonst tödlichen Auswirkungen dieser Strahlung.
1.600 Wassertanks als Himmelsaugen
Jetzt hat die Auger Kollaboration, ein Zusammenschluss von 370 Forschern aus 17 Ländern, sich dieses Rätsels angenommen – und eine Lösung gefunden. Das allerdings war nicht ganz einfach. Denn die hochenergetischen Strahlen sind nicht leicht nachzuweisen. Statistisch gesehen trifft nur rund einmal pro Jahrhundert ein solcher Strahl einen beliebigen Quadratkilometer der Erdoberfläche. Um die Trefferquote zu erhöhen, haben die Auger-Wissenschaftler ein Detektorenfeld von knapp 2.000 Quadratkilometer in einer Ebene im Westen Argentiniens errichtet.