Physiker haben den ersten rudimentären Quantenprozessor entwickelt, der einem echten elektronischen Prozessor ähnelt und auf Festkörperbasis funktioniert. Mithilfe zweier Quantenbits aus künstlichen Atomen kann er bereits einfache Algorithmen ausführen. Die Forscher berichten jetzt in der Fachzeitschrift „Nature“ über ihre Entwicklung.
Um Quanten zum Rechnen zu bringen, mussten Wissenschaftler bisher meist mit einzelnen Atomen in einer Lösung oder mit Photonen arbeiten. Jetzt haben Physiker der Universität von Yale einen Prozessor entwickelt, der auf Basis zweier Quantenbits in festem Zustand Algorithmen ausführt. „Unser Prozessor kann nur ein paar sehr einfache Quantenaufgaben erledigen, die auch schon zuvor mit einzelnen Atomkernen, Atomen und Photonen demonstriert worden sind“, erklärt Robert Schoelkopf, Professor für Physik an der Yale Universität. „Aber dies ist das erste Mal, dass sie in einem elektronischen Gerät stattfinden, das wie ein normaler Mikroprozessor aussieht.“
Künstliche Qubits aus Aluminiumatomen
Als ersten Schritt für ihren Prozessor entwickelten die Forscher zwei künstliche Atome oder Qubits. Die Besonderheit daran: Obwohl diese Teilchen ihrerseits aus einer Milliarde Aluminiumatomen bestehen, agieren sie wie ein einziges Atom, das zwei mögliche Energiezustände einnehmen kann: Sie entsprechen dem „Null“ oder „Eins“ herkömmlicher Computerbits. Weil jedoch in der Quantenwelt ganz andere Gesetze herrschen als in der Welt der größeren Dinge, können die Wissenschaftler die Qubits auch dazu bringen, sich zu überlagern.
Das Geheimnis der Überlagerungen
Diese Überlagerung multipler Zustände erlaubt es Quantencomputern, zahlreiche Operationen oder Speichervorgänge gleichzeitig durchzuführen. An einem Beispiel verdeutlicht heißt das: Wenn ich vier Telefonnummern habe und nicht genau weiß, welche davon einem Freund gehört, muss ich normalerweise mindestens zwei bis drei Nummern durchtesten, bis ich auf die richtige stoße. Ein Quantenprozessor jedoch könnte die richtige Nummer in nur einem Durchgang identifzieren.