Rasanter Zerfall: Forscher haben erstmals den ultraschnellen Zerfall von Wassermolekülen durch energiereiche Bestrahlung mitverfolgt. Diese Radiolyse tritt auch in unserem Körper auf und erzeugt aggressive Hydroxyl-Radikale, die Zellen und DNA schädigen können. Die Aufnahmen mit einem Röntgenlaser enthüllten nun, wann der entscheidende Schritt dieser Reaktion abläuft. Gleichzeitig liefern sie wertvolle Informationen über den Ablauf dieses Prozesses, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.
Wasser ist ein ganz besonderer Stoff. Denn es zeigt eine Dichteanomalie, kann mehr als ein Dutzend verschieden Eisformen bilden und ist dank seiner Dipoleigenschaften und der Fähigkeit zur Bildung von Wasserstoffbrückenbindungen ein gutes Lösungsmittel. Im flüssigen Zustand bildet Wasser zudem ein hochkomplexes Gemisch von Molekülklumpen, die in Sekundenbruchteilen ihre Struktur und Anordnung ändern. Gleichzeitig sorgt die Eigendissoziation dafür, dass ständig ein kleiner Teil der H2O-Moleküle zerfällt – in ein Hydroxyd-Ion (OH–) und ein Hydronium-Ion (H3O+).

Strahlung erzeugt aggressives Radikal
Doch es gibt noch eine weitere OH-Form – das Hydroxyl-Radikal. Bei diesem besitzt das Sauerstoffatom ein einzelnes ungepaartes Elektron. Dadurch sind diese Radikale extrem reaktionsfreudig und können Geweben, Zellen und der DNA lebender Organismen schwerwiegende Schäden zufügen. Wenn energiereiche Strahlung auf Wasser oder die wasserreichen Körperflüssigkeiten trifft, steigert dies die Bildung solcher Hydroxyl-Radikale dramatisch.
„Wir alle sind im Alltag ionisierender Strahlung ausgesetzt – ob durch Röntgenaufnahmen, natürliche Radioaktivität oder beispielsweise kosmische Strahlung auf Flugreisen“, erklärt Koautor Robin Santra vom Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg. „Daher ist das, was in der Radiolyse passiert, von grundlegender Bedeutung.“ Doch wie dieser Zerfallsprozess im Einzelnen abläuft, ist bisher erst in Teilen bekannt.