Widerspruch zur Theorie: Eigentlich müssten Atomkerne mit gleichem Gesamtgewicht, aber vertauschten Neutronen- und Protonenzahlen sich wie Spiegelbilder verhalten. Doch zumindest ein Paar dieser „Spiegelkerne“ tut dies nicht, wie nun ein Experiment belegt. Demnach zeigt Strontium-73 ein anderes Verhalten und eine andere Kernstruktur als Brom-73. Warum die Symmetrie hier gebrochen wird, müsse nun erforscht werden, so die Forscher im Fachmagazin „Nature“.
Ähnlich wie die Elektronen in Orbitalen um den Atomkern kreisen, besitzt auch der Atomkern eine Struktur. Demnach existieren im Kern quantenmechanisch bedingte „Schalen“, die von den Protonen und Neutronen sukzessive aufgefüllt werden. Dies könnte erklären, warum Atomkerne mit bestimmten Neutronen- und Protonenzahlen besonders stabil sind – diese „magischen Zahlen“ entsprechen jeweils einer vollen Kernschale, so die Theorie.
„Spiegelbilder“ mit vertauschten Kernbausteinen
Doch es gibt noch eine Besonderheit in der Atomkern-Struktur: Protonen und Neutronen gelten formal als zwei Zustände derselben Teilchenart. Zwar ist ihre Ladung unterschiedlich, aber beide bestehen nur aus leichten Up- und Down-Quarks und die starke Kernkraft wirkt auf beide gleich – weshalb beiden der gleiche sogenannte Isospin von 1/2 zugeordnet wird.
Der Clou daran: „Aus dieser Spin-Zuordnung ergibt sich eine Spiegelsymmetrie“, erklären Daniel Hoff von der University of Massachusetts und seine Kollegen. Konkret bedeutet dies, dass ein Atomkern mit 38 Protonen und 35 Neutronen eine Art Spiegelbild eines Atomkerns mit 35 Protonen und 38 Neutronen sein. Diese „Spiegel-Atomkerne“ müssten ein ähnliches Verhalten und ähnliche Quantenmerkmale zeigen – so jedenfalls die gängige Theorie.