Es erscheint paradox: Ausgerechnet die Bestrahlung mit Laserlicht soll Atome und Moleküle abkühlen können? Doch genau das macht die Laserkühlung – sie ist die gängigste Methode, um Teilchen beispielsweise für quantenphysikalische Experimente oder die Suche nach neuen, exotischen Materiezuständen auf Temperaturen nahe des absoluten Nullpunkts herunterzukühlen. Wie das funktioniert, erklärt uns ein Physiker der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Im Mikrokosmos hängen Energie, Bewegung und Temperatur direkt zusammen: Je wärmer beispielsweise ein Gas oder eine Flüssigkeit ist, desto stärker und schneller bewegen sich die Atome oder Moleküle in diesen Fluiden. Diese Brownsche Molekularbewegung verrät, wie viel Energie die Teilchen besitzen und damit auch die Wärmeenergie, die in ihrer Umgebung präsent ist, denn mit ihr befinden sich die Atome im thermischen Gleichgewicht.
Billardkugel mit „Gegenwind“
Daraus ergibt sich: Je weniger sich ein Atom oder Molekül bewegt, desto energieärmer und kälter ist es. Kühlt man eine Atomwolke bis knapp über dem absoluten Nullpunkt von minus 273,15 Grad Celsius ab, bewegen sich die Atome in dieser Wolke kaum noch. Umgekehrt lässt sich dieser Zusammenhang aber auch nutzen, um die Atome bis auf solche Temperaturen herunterzukühlen – und an diesem Punkt kommt die Laserkühlung ins Spiel.
„Die Laserkühlung von Atomen kann man sich eigentlich ganz gut veranschaulichen, wenn man sich ein Atom als Billardkugel vorstellt“, erklärt Axel Görlitz, Professor am Institut für Experimentalphysik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Der Laserstrahl sei vergleichbar mit einem dichten Strahl kleinerer Kugeln. „Wenn jetzt ein Atom als Billardkugel dem Lichtstrom entgegenfliegt, dann stoßen die Lichtteilchen mit dem Atom zusammen und bremsen es ab.“