Blutsaugende Vampirfledermäuse tragen winzige, hochsensible Wärmesensoren in ihrer Nase. Mit Hilfe dieser molekularen Infrarotfühler können sie ihre Opfer zielsicher dort beißen, wo eine mit warmem Blut gefüllte Vene direkt unter der Haut liegt. Wie dieser Sensor funktioniert, hat jetzt ein internationales Forscherteam aufgeklärt.
Bekannt war bereits, dass die in Südamerika heimischen Vampirfledermäuse drei blattförmige Gruben an der Nase besitzen. In diesen liegen Ausläufer des Gesichtsnervs, die besonders stark auf Temperaturen oberhalb von 29 Grad Celsius ansprechen. An den Enden dieser Nervenfasern entdeckten die Wissenschaftler um Elena Gracheva von der University of California in San Francisco nun die entscheidende Struktur: Ein Molekül, das auch vom Menschen und anderen Säugetieren bekannt ist, aber von den Fledermäusen leicht modifiziert wurde. TRPV1 dient in der menschlichen Zunge, der Haut und den Augen als Schmerz- und Verbrennungssensor.
„Die Vampirfledermäuse haben diesen bereits hitzesensiblen Kanal so verändert, dass seine Temperaturschwelle nun um rund 30 Grad Celsius niedriger liegt“, berichten die Forscher in der aktuellen Titelgeschichte des Fachmagazins „Nature“. Der neu entdeckte Infrarotsensor erlaubt es den Tieren, eine Wärmequelle noch aus 20 Zentimetern Entfernung zu orten. In DNA-Analysen zeigte sich, dass für diese Modifikation nur eine kleine Genänderung nötig war.
Infrarotsinn sonst nur bei Schlangen
Die Vampirfledermäuse Südamerikas sind die einzigen bekannten Säugetiere, die sich allein von Blut ernähren. Die nur wenige Zentimeter großen Tiere nähern sich schlafenden Kühen, Ziegen oder Vögeln am Boden laufend und durchbohren mit ihren rasiermesserscharfen Zähnen deren Haut. In Südamerika werden immer wieder auch Menschen gebissen. Die Fledermäuse trinken zwar nur wenige Milliliter Blut, können aber Krankheiten wie die Tollwut übertragen.