Bisher galt das vierwertige Uran als unlöslich, es bildet Mineralablagerungen und verbreitet sich damit nicht in Wasser und Umwelt. Jetzt aber zeigt sich: Auch diese Uranform ist überraschend mobil. Es lagert sich an Schwebeteilchen im Wasser an und kann so über weite Strecken mitgeschwemmt werden. Bei Sanierung von kontaminierten Gebieten wurde dies zuvor nicht berücksichtigt, das müsse sich nun ändern, so die Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“.
„Obwohl Uran radioaktiv ist, ist es für Mensch und Umwelt nicht zwangsläufig gefährlich“, erläutert Biogeochemiker Gerhard Geipel vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR). „Selbst in normalen Böden finden wir es häufig. Es kommt deswegen vielmehr darauf an, in welcher Menge und vor allem in welcher Form es auftritt.“ Uran sammelt sich oft in Feuchtgebieten an. Dort kommt der radioaktive Stoff aber meist als vierwertiges Uran(IV) vor und wandelt sich durch die Wechselwirkung mit Sauerstoff in das Mineral Uraninit. Weil dieses bisher als nicht löslich galt, hielt man dies für unproblematisch und somit keine Gefahr für die biologischen Kreisläufe.
Abflüsse tragen Uran mit sich
Eine Studie an einem sumpfigen Grasgebiet in der zentralfranzösischen Region Limousin könnte diese Annahme nun widerlegen. Die Forscher entnahmen dafür an verschiedenen Stellen des durch Uranbergbau kontaminierten Feuchtgebiets Wasserproben. Die Analyse ergab, dass das Wasser Uran enthielt und dieses mit den Abflüssen aus dem Gebiet ausgeschwemmt wurde. Dies lieferte den Wissenschaftlern allerdings noch keine Anhaltspunkte, um welche Art des radioaktiven Elements es sich dabei handelte.
Denn schon vorher war bekannt, dass eine zweite natürlich vorkommende Uranform, das sechswertige Uran(VI), gut löslich ist und leicht in die Biosphäre aufgenommen werden kann. „An dieser Stelle kommt das HZDR ins Spiel“, erzählt Geipel. „Die Uranmenge können wir relativ schnell und einfach mit analytischen Methoden feststellen. Schwieriger wird es, den Zustand des Elements zu bestimmen. Und genau darum ging es uns ja.“