Der Kipppunkt ist erreicht: Ein Teil des westantarktischen Eisschilds wird komplett abschmelzen – ohne dass wir dies doch aufhalten können. Das belegen US-Forscher anhand neuer Daten. Die Eisströme haben demnach den „Point of no return“ passiert. Das hat Folgen für den Meeresspiegel, denn ihr Schmelzwasser allein reicht aus, um diesen 1,2 Meter ansteigen zu lassen, so die Forscher im Fachmagazin „Geophysical Research Letters“.
Gleich sechs große Gletscher münden in die Amundsen-See der Westantarktis, darunter der Pine-Island-Gletscher und der Thwaites-Gletscher. Die Zungen dieser Eisströme ragen ins Meer hinaus, ihre Enden dagegen reichen weit hinein bis ins Inland-Eisschild dieser Antarktisregion und stabilisieren dieses. Schon in den letzten Jahren hatten Messungen gezeigt, dass sich die Fließgeschwindigkeit dieser Küstengletscher deutlich erhöht. Jetzt liefern gleich zwei Studien von US-Forschern besorgniserregende neue Daten.
Eric Rignot von der University of California in Irvine und sein Kollegen hatten für ihre Studie Messungen der letzten 40 Jahre und Daten der europäischen Fernerkundungs-Satelliten ERS-1 und2 aus den Jahren 1992 bis 2011 ausgewertet. Aus ihnen lassen sich die Bewegung der Gletscher und ihre Dicke ermitteln. Dabei stießen die Forscher auf gleich drei Faktoren, die nahelegen, dass die Schmelze dieser Eisströme bereits unumkehrbar sein könnte:
Wasser unter dem Gletscher
Zum einen strömt das Eis dieser Gletscher immer schneller gen Ozean und die Gletscherzungen im Meer dünnen sich dabei aus. Dadurch aber liegen die Gletscherzungen immer höher im Wasser, die sogenannte Grundlinie weicht dadurch immer weiter zurück – die Region, in der das Eis direkt auf dem festen Untergrund der Küste aufliegt. Oder anders ausgedrückt: Das Meerwasser kann unter dem Eis immer weiter landeinwärts vordringen. Weil Gletscher dieser Art vor allem von unten her schmelzen, verstärkt dies das Ausdünnen und Anheben noch weiter – ein klassischer Teufelskreis.