Meilenstein in superschwerer Chemie: Zum ersten Mal haben Chemiker Atome des superschweren Elements Seaborgium mit Kohlenstoffatomen reagieren lassen. Dieser Durchbruch eines internationalen Forscherteams liefert nun Hinweise auf den Effekt der Relativitätstheorie auf die Chemie, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Science“ berichten. Verbindungen mit noch schwereren Elementen sollen in naher Zukunft folgen.
Ganz am Ende des Periodensystems der chemischen Elemente liegen die atomaren Schwergewichte: Die sogenannten superschweren Elemente mit den Ordnungszahlen 104 oder mehr. Diese Elemente sind nur äußerst schwierig zu erforschen: Sie kommen in der Natur nicht vor und nur wenige Atome am Tag lassen sich in Teilchenbeschleunigern herstellen. Diese Atome zerfallen obendrein bereits wieder nach nur wenigen Sekunden.
Superschwer zu erforschen
Was treibt Forscher also dazu, diese superschweren und dennoch so unzugänglichen Elemente nicht nur zu studieren, sondern auch chemische Reaktionen mit ihnen durchzuführen? Die vielen Protonen im Atomkern der superschweren Atome beschleunigen die sie umkreisenden Elektronen auf enorme Geschwindigkeiten – bis zu 80 Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Gemäß der Einsteinschen Relativitätstheorie werden die Elektronen dadurch schwerer, im Vergleich zu ihrer Masse, wenn sie sich im Ruhezustand befänden. Diese Massenzunahme wiederum sollte sich auf ihren Aufenthaltsort in der Atomhülle und folglich auch auf die chemischen Eigenschaften auswirken. In chemischen Reaktionen dieser Elemente ließe sich direkt der Einfluss der Relativitätstheorie auf die Chemie untersuchen.
Und genau das ist Wissenschaftlern um Alexander Yakushev vom Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt nun gelungen: Die Forscher beobachteten die Reaktion von 18 Atomen des Elements Seaborgium (Elementysymbol Sg, Ordnungszahl 106) mit Kohlenmonoxid. Dabei entstehen sogenannte Hexacarbonylkomplexe: Ein einzelnes Seaborgium-Atom ist darin von sechs Molekülen Kohlenmonoxid umgeben. Es handelt sich dabei um die erste beobachtete Reaktion eines superschweren Atoms mit einer Kohlenstoffverbindung.