Gefährliches Mitbringsel: Mehrfach resistente Bakterien werden zunehmend von Fernreisenden eingeschleppt: Immerhin jeder Fünfte trägt bei seinr Rückkehr gefährliche sogenannte ESBL-Keime im Darm – ohne es selbst zu merken. Noch gravierender aber wird es, wenn unterwegs Antibiotika eingenommen werden: Dann steigt die Infektionsrate sogar auf 80 Prozent, wie Forscher feststellten.
Resistente Bakterien breiten sich immer weiter aus – und die moderne, globalisierte Gesellschaft hilft ihnen dabei. Denn inzwischen kann selbst ein neuer Superkeim wie kürzlich in Brasilien entdeckt, sich relativ schnell auf andere Regionen der Erde ausbreiten. Auch der in Europa häufige resistente Stamm des Erregers Staphylococcus aureus (MRSA) stammt ursprünglich aus Afrika.
Verbreitung per Urlauber-Express
Was die Übertragung resistenter Bakterien von einer Region in die andere fördert, haben Anu Kantele von der Universität Helsinki und seine Kollegen nun untersucht. Sie sammelten dafür Stuhlproben von 430 Finnen bevor und nachdem sie ein tropisches oder subtropisches Land reisten und befragten die Reisenden hinterher nach ihrem gesundheitlichen Zustand. Diese analysierten sie gezielt auf Spuren resistenter Keime aus der Gruppe der Enterobacteriaceae. Diese erzeugen Enzyme, sogenannte extended-spectrum-beta-lactamases (ESBL), die auch neuere Antibiotika wirkungslos machen.
Wie sich zeigte, hatten 90 Probanden nach ihrer Reise ESBL-produzierende Bakterien in ihrem Darm – das entspricht 21 Prozent. Besonders hoch war der Anteil bei denen, die in Südostasien und Südasien oder Nordafrika unterwegs waren. „Mehr als 300 Millionen Menschen besuchen diese Hochrisiko-Regionen jedes Jahr“, sagt Kantele. „Wenn nur rund 20 Prozent von ihnen mit den Bakterien infiziert werden, dann ist das eine wirklich große Anzahl – das ist eine ernste Sache.“ Denn die Rückkehrer können dann die „Superkeime“ in ihrer Heimat verbreiten.