Giftige Vorliebe: Mit Pestiziden versetzten Nektar trinken Bienen und Hummeln offenbar lieber als reines Zuckerwasser. Auf das Gehirn der Insekten könnten die vielfach kritisierten Neonicotinoide wie eine Droge wirken, vermuten Wissenschaftler. Die Gefahr für die Bienen durch diese Nervengifte scheint daher noch deutlich größer als gedacht, warnen die Forscher im Fachjournal „Nature“. Denn gesündere Ersatznahrung verschmähen die Tiere möglicherweise.
Bienen machen mehr als nur Honig: Beim Sammeln von Nektar und Pollen bestäuben sie auch die Blüten anderer Pflanzen und lassen diese so erst Früchte tragen. Dadurch gehören Bienen zu den wirtschaftlich wichtigsten Nutztieren. Der Wert der durch Bienen ermöglichten Ernten liegt weltweit bei über 150 Milliarden Euro pro Jahr. Umso dramatischer ist die Lage, in der sich Bienenvölker auf der ganzen Welt befinden: Durch den zunehmenden Einsatz von Pestiziden sind sie mittlerweile stark bedroht.
Zuckerwasser mit Nervengift
Besonders Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide sind in letzter Zeit ins Zentrum der Kritik gerückt. Bereits vor einigen Jahren sind mehrere dieser Pestizide in der EU vorläufig verboten worden, um weitere wissenschaftliche Ergebnisse über deren Bienenverträglichkeit abzuwarten. Mittlerweile gelten Neonicotinoide erwiesenermaßen als schädlich für die Bienen: Sie schädigen das Nervensystem der Insekten und lassen sie die Orientierung verlieren, so dass die Bienen oft ihren Stock nicht wiederfinden. Mehrere Studien bestätigen diese Wirkung.
Fatalerweise merken die Bienen das erst, wenn es zu spät ist: Aus früheren Studien ist bekannt, dass Bienen und Hummeln die Nervengifte nicht schmecken können. Wissenschaftler um Geraldine Wright von der englischen Newcastle University haben nun erforscht, ob die Insekten bei der Futtersuche auf Neonicotinoide im Nektar reagieren. Dazu boten sie Gruppen von Honigbienen oder Erdhummeln die Wahl zwischen zwei verschiedenen Nahrungsquellen: Entweder eine einfache Zuckerlösung, oder mit Pestiziden versetztes Zuckerwasser. Die Konzentration der Pestizide entsprach dabei Werten, die auch in der Natur in Nektar und Pollen nachweisbar sind.