Mit den Augen eines Tieres: Eine neue Software lässt uns die Welt auf völlig neue Weise sehen. Denn sie zeigt uns Farben und Muster, wie sie der Sehsinn verschiedener Tiere wahrnimmt. Das Programm rechnet dafür die Informationen der Kamera in das vom jeweiligen Tier wahrgenommene Spektrum um. Auf einfache Art können Forscher damit Signale auswerten, die die Tiere ansonsten vor uns verbergen.
Unsere Augen sind ziemlich hoch entwickelt: Menschen und die meisten Primaten nehmen die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau wahr. Die Rezeptoren für diese Farben auf unserer Netzhaut setzen daraus das für uns sichtbare Farbspektrum zusammen. Doch das Farbensehen ist nicht überall im Tierreich gleich ausgeprägt. Die meisten übrigen Säugetiere sehen bloß blau und gelb. Für uns noch schwerer vorstellbar ist die Sicht vieler Vögel und Reptilien, die sogar vier verschiedene Farbsensoren besitzen.
Unsere Sicht der Dinge ist vorgefärbt
Völlig unsichtbar ist für Menschen der UV-Bereich – doch viele Insekten wie beispielsweise Bienen sehen auch dieses Licht. Besonders die Blüten von Blumen sind im UV-Bereich oft besonders auffällig, weil sie mit diesen Mustern UV-sehende Insekten als Bestäuber anlocken. Bei Vögeln und Reptilien sind UV-Muster ein Signal bei der Partnersuche.
Unsere Sicht der Welt ist dadurch zwangsweise vorgefärbt: Viele Details und Farbsignale anderer Tiere untereinander entgehen uns. Wie beispielsweise eine Blume aus Sicht einer Biene oder Hummel aussieht, ist für uns kaum nachvollziehbar. Doch Jolyon Troscianko und Martin Stevens von der University of Exeter haben nun ein Werkzeug entwickelt, dass uns die Welt durch die Augen der Tiere sehen lässt: Die von ihnen entwickelte Software rechnet Digitalfotos in Tiersicht um.