Unfreiwilliger Geschlechts-Wechsel: Hormon-Rückstände aus Verhütungspillen machen männliche Frösche und Kröten zu Weibchen, wie ein Experiment belegt. Das Bedenkliche daran: Diese chemische Geschlechtsumwandlung findet bereits bei Konzentrationen statt, wie sie in unseren Gewässern nachweisbar sind. Die Pillen-Rückstände könnte daher zum weltweiten Amphibiensterben beitragen, so die Forscher im Fachmagazin „Scientific Reports“.
Gelangen Hormone oder hormonähnlich wirkende Chemikalien in die Umwelt und in die Nahrungskette, können sie bei Mensch und Tier Stoffwechselstörungen verursachen und beispielweise Diabetes, Übergewicht und Unfruchtbarkeit auslösen. Solche hormonähnlichen Substanzen finden sich inzwischen selbst in entlegenen Hochgebirgsregionen, aber auch in Alltagsprodukten.
Das Problem: Die Kläranlagen schaffen es oft nicht, solche Chemikalien vollständig aus unseren Abwässern zu entfernen. Als Folge können beispielsweise auch Hormonrückstände von Verhütungspillen in die Gewässer gelangen.
Synthetisches Östrogen in den Gewässern
„Das synthetische Östrogen 17α-Ethinylestradiol (EE2) ist resistent gegenüber dem Abbau und reichert sich daher in Sedimenten und Lebewesen an“, erklären Stephanie Tamschick vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin und ihre Kollegen. „Konzentrationen von 24 bis 831 Nanogramm pro Liter wurden davon in europäischen und amerikanischen Oberflächengewässern schon nachgewiesen.“