Planetare Überraschung: Unsere Erde rotiert immer langsamer, doch dieser Bremseffekt ist schwächer als bisher gedacht. Demnach verlängern sich unsere Tage pro Jahrhundert nur um 1,78 statt um 2,3 Millisekunden, wie eine Studie enthüllt. Diese Erkenntnis ist nicht nur wichtig für Astronomie und Weltzeit, sie spricht auch dafür, dass es Prozesse geben muss, die dem Bremseffekt des Mondes entgegenwirken, erklären die Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society A“.
Unser 24-Stunden-Tag leitet sich aus der Erdrotation ab – eine Umdrehung entspricht einem Tag. Doch diese Rotation bleibt nicht immer gleich: Sie wird allmählich langsamer, zudem eiert die Erde dabei ein wenig. Ursache dafür sind vor allem die Gezeitenkräfte zwischen Erde und Mond. Dadurch benötigt die Erde im Laufe eines Jahrhunderts 2,3 Millisekunden länger für eine Umdrehung – so dachte man jedenfalls bisher.
Sonnenfinsternisse und lunare Okkultationen
Doch jetzt haben Catherine Hohenkerk vom Königlich britischen Nautical Almanac Office in Taunton und ihre Kollegen neue Werte für die Veränderung der Erdrotation im Laufe der Zeit ermittelt. Für ihre Studie gingen sie zurück in die Geschichte: Sie werteten zum einen Aufzeichnungen zu 300 Sonnenfinsternissen aus der Zeit von 720 vor Christus bis 1600 aus. Weil die Erdrotation bestimmt, wo und wie schnell der Pfad der Finsternis über die Erdoberfläche zieht, erlaubt dies Rückschlüsse auf die damalige Rotation.
Zum anderen analysierten die Forscher rund eine halbe Million Beobachtungsdaten zur Bedeckung von Sternen durch den Mond, sogenannte lunare Okkultationen. Auch bei diesen seit der Erfindung der Teleskope erhobenen Daten spielt die Erddrehung eine wichtige Rolle, wie die Wissenschaftler erklären.