Aus dem „Giftschrank“ geholt: 750 Filmaufnahmen von US-Kernwaffentests sind jetzt erstmals öffentlich zugänglich – und können teilweise auf Youtube betrachtet werden. Nach rund 50 Jahren wurde die Geheimhaltung für die aus der Zeit von 1945 bis 1962 stammenden Filme aufgehoben. Anlass dafür ist die Digitalisierung und Neuanalyse der rund 10.000 bei US-Kernwaffentests aufgenommenen Videos. Sie enthüllt auch, dass viele Filme damals falsch ausgewertet worden sind.
Zwischen 1945 und 1962 führten allein die USA 210 atmosphärische Kernwaffentests durch -zunächst in der Wüste von New Mexico, später unter anderem auf dem Bikini-Atoll im Pazifik. Die Explosionen der Atom- und Wasserstoffbomben hinterließen ein bis heute strahlendes Erbe. Denn die freigesetzten radioaktiven Nuklide dieser Tests sind bis heute in der Atmosphäre nachweisbar und viele der ehemaligen Testgebiete im Pazifik sind bis heute unbewohnbar.
Rettung kurz vor dem Zerfall
Um die Stärke der Explosionen und ihre Folgen zu dokumentieren, wurden damals alle Tests mit mehreren Hochgeschwindigkeits-Kameras gefilmt. Rund 10.000 Videos blieben von den Kernwaffentests erhalten und wurden als geheimes Material in den Tresoren und Bunkern der US-Atomforschungseinrichtungen gelagert.
Jetzt jedoch, gut 50 Jahre später, drohen diese Filme unwiederbringlich kaputtzugehen, weil das alte Filmmaterial sich zersetzt. „Wenn man die Filmdosen öffnet, riecht es nach Essig – und das ist eine der Nebenprodukte beim Zersetzungsprozess dieser Filme“, erklärt der Kernphysiker Greg Spriggs vom Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL).