Das Ergebnis: „Es zeigte sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen erhöhten Konzentrationen des Metaboliten von Butylbenzylphthalat im Urin der Mütter und dem Vorkommen von allergischem Asthma bei den Kindern“, berichtet Koautorin Irina Lehmann vom UFZ. Allerdings: Eine solche Beobachtungstudie allein beweist noch nicht, dass auch ein ursächlicher Zusammenhang vorliegt. Es könnte sich auch um eine bloß statistische Korrelation handeln.

Allergisches Asthma bei Kindern kann eine Folge vorgeburtlicher Belastung mit Phtalaten sein. © Nagy Bagoly /iStock.com
Wirkung noch bei den Enkeln
Um dies auszuschließen, führten die Forscher einen ergänzenden Versuch mit Mäusen durch: Trächtige Mäuseweibchen erhielten eine Weichmacherdosis, die zu vergleichbaren Konzentrationen des BBP-Abbauprodukts in ihrem Urin führte. Dann beobachteten die Wissenschaftler, ob bei ihren Nachkommen vermehrt allergisches Asthma auftrat.
Und tatsächlich: Die im Mutterleib erhöhten Phtalatwerten ausgesetzten Mäusejungen litten deutlich häufiger an allergischem Asthma als Kontrolltiere. Überraschenderweise galt dieses erhöhte Asthmarisiko sogar noch für die Enkel der belasteten Tiere. „Ist der Organismus während der frühen Entwicklungsphase Phthalaten ausgesetzt, kann das Auswirkungen auf das Krankheitsrisiko bis in die übernächste Generation haben“, so Polte.
Allergie-Hemmer blockiert
Aber warum? Um das herauszufinden, schauten sich Polte und sein Team das Erbgut der jungen Mäuse näher an. Dabei entdeckten sie auffällige epigenetische Veränderungen: Methylgruppen hatten sich an bestimmte Gene angelagert und blockierten so deren Ablesen. Entfernten die Forscher diese Anlagerungen durch eine Chemikalie, besserte sich auch das Asthma der jungen Mäuse.
Weitere Analysen ergaben, warum diese Genblockade Asthma fördert: Die epigenetischen Anlagerungen schalten ein Gen aus, das normalerweise die Aktivität der allergiefördernden T-Helfer-2-Zellen hemmt. Fehlt dieser Gegenspieler, werden diese Immunzellen überaktiv und eine Allergie ist die Folge.
Genblockade auch beim Menschen
Aber spielt dieser Mechanismus auch beim Menschen eine Rolle? Um dies zu beantworten, zogen die Forscher noch einmal ihre Mutter-Kind-Kohorte heran. Sie suchten bei den Kindern mit allergischem Asthma nach dem entsprechenden Gen und schauten nach Methylierungsgrad und Genaktivität. Und auch hier zeigte sich, dass das Gen durch Methylgruppen blockiert war und nicht abgelesen werden konnte.
„Damit konnten wir zeigen, dass offensichtlich epigenetische Veränderungen dafür verantwortlich sind, dass Kinder bei starker mütterlicher Phthalat-Belastung während Schwangerschaft und Stillzeit ein erhöhtes Risiko haben, ein allergisches Asthma zu entwickeln“, sagt Polte. Er und seine Kollegen wollen nun untersuchen, ob und wie auch andere Weichmacher auf das Epigenom und das Allergierisiko wirken. (Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2017; doi: 10.1016/j.jaci.2017.03.017)
(Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, 04.05.2017 – NPO)
4. Mai 2017