Einen komplexen Sicherheitsmechanismus, der geschädigte Zellen nur dann in den Zelltod treibt, wenn sie nicht mehr zu retten sind, haben Bochumer Forscher entdeckt. Sie identifizierten zum einen den Teil des Proteins p66Shc, der für den Selbstmord einer Zelle zuständig ist, und ermittelten zum anderen den genauen Mechanismus seiner Regulation. Über ihre Arbeiten berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS).
Programmierter Zelltod schützt
Funktion und Schicksal einer Zelle und damit letztlich auch Funktionsfähigkeit und Lebensspanne eines ganzen Organismus werden durch ein komplexes Netzwerk von Signalproteinen kontrolliert. Schädigungen und Fehlfunktionen in diesem Netzwerk sind Ursache von Alterungsprozessen und einer großen Bandbreite von Krankheiten, die oft mit zunehmendem Alter verstärkt auftreten. Ein wichtiger Schutzmechanismus gegen solche Fehlfunktionen ist der kontrollierte Zelltod, auch als Apoptose
bezeichnet, durch den stark geschädigte Zellen sich selbst abbauen, wenn ihre korrekte Funktion nicht mehr gewährleistet ist.
Signalprotein beteiligt an Arteriosklerose und Altersdiabetes
Das Signalprotein p66Shc fungiert dabei als molekularer Wächter und löst als Antwort auf starken zellulären Stress wie UV-Schädigung oder toxische Chemikalien Apoptose aus. „Mäuse, denen ihr – dem menschlichen nahe verwandtes – Gen für p66Shc entfernt wurde, leben zwar ca. 30 Prozent länger als normale Mäuse“, erklärt Juniorprofessor Clemens Steegborn von der Ruhr-Universität Bochum. Er hat gemeinsam mit seinem Kollegen Dirk Wolters das Protein näher untersucht. „Aber man vermutet, dass dieser Gewinn an Lebensspanne auf Kosten der korrekten Funktion geht, das heißt dass der Organismus anfälliger für Fehlfunktionen aufgrund von Zellschädigungen wird.“